
Angesichts der winterlichen Ruhe für den Garten, der zweifellos auch jetzt seine Reize hat, lässt es sich wunderbar auf literarische Gartenreise gehen. Dazu lädt insbesondere ein gerade erschienenes Gartenbuch von Stéphane Marie mit dem Titel „Die schönsten Gärten Frankreichs“, übersetzt von Carmen Hindemith und Rosa Kratz, ein. Der Autor nimmt uns mit auf eine Gartenreise quer durch das Land und damit gewiss überall dorthin mit, wo der Autor, ein bekannter französischer Fernsehmoderator und Autor, schon mehr als einmal war. Denn bereits seit 1998 präsentiert er auf France 5 ein wöchentliches Gartenmagazin.
Der Weg nach Frankreich, also westwärts, schließt einen spannenden Aspekt mit ein, war doch vor Jahrhunderten der Weg der europäischen Gartenkultur von Italien nach Frankreich eingeschlagen worden. Die mächtigen italienischen Stadtstaaten lagen abwechselnd mit den französischen Königen oder den Habsburgern im Krieg, sodass sich neben Vorstellungen von der italienischen Stadtkultur und Lebensart, allmählich auch Informationen über die zauberhaft schönen italienischen Gärten Richtung Norden verbreiteten. Italienischer Stil und Geschmack waren bald bei den französischen Eliten groß in Mode und nach und nach verwandelten sich jene Schlösser an der Loire und nahe von Paris in architektonischer und gartenkünstlerischer Weise nach dem Vorbild von Florenz und Rom.
Stéphane Marie bereist Frankreich von Nord nach Süd, von Ost nach West und hat in seinem Text-Bild-Band insgesamt siebenundzwanzig Gärten ausgewählt, um sie zu präsentieren. Diese Auswahl fiel ihm sehr schwer, wie er im Vorwort schreibt. Was nicht verwundert, denn wenn man durch diesen opulenten Band blättert, ist man von den fantastischen Gärten, die durch zahlreiche Fotos und liebevolle grafische Illustrationen vorgestellt werden, überwältigt. Sich dann vorzustellen, der Moderator hat in den vielen Jahren seiner Tätigkeit unzählige dieser grünen Kunstwerke besucht, und sollte sich nun auf eine Auswahl beschränken, macht nachdenklich. Wie wählt man aus, wo so viel Schönes und Unvergleichliches entstanden ist?
Umso leichter und zweifellos inspirierender in puncto Gartenreiseplanung ist es, ihm quer durch das Land zu folgen. Um in der Fülle eine Orientierung zu haben, sind die einzelnen Regionen in Kapitel zusammengefasst, wobei schon beim ersten Blick auffällt, dass sehr viele Gärten aus der Normandie sowie aus Zentralfrankreich und entlang der Loire aufgenommen worden sind. Was natürlich ob der langen Geschichte der dortigen Gartenkultur nicht verwundert. Die Art der Gestaltung reicht von botanischen, mediterranen über Gärten mit zeitgenössischen Kunstwerken bis hin zu Küchen- und Barockgärten.
Der Autor stellt den jeweiligen Garten in seiner historischen Dimension vor, gibt Einblicke in die gestalterische Konzeption, in botanische Themen und über die künstlerische Raffinesse und informiert zudem über die Möglichkeiten, den Garten selbst zu besuchen. Was etwa Hinweise zu Speis und Trank sowie zu Übernachtungsmöglichkeiten miteinschließt. Letzteres erweist sich als sehr wichtig, da der Autor großes Interesse daran zeigt, neben durchaus bekannteren Gärten viele weniger bekannte Gartenanlagen in den Mittelpunkt zu rücken. Was bedeuten kann, dass eine Anreise gut geplant werden sollte. Wer die bekannten Schönheiten im Tal der Loire bereits kennt, darf sich auf Neuentdeckungen freuen.
Den Autor interessiert aber nicht allein der Garten. Auch diejenigen, die gestalterisch Wirken und das veränderliche Kunstwerk erschufen, rekonstruiert oder übernommen haben, porträtiert er. Auch hier ist die Fülle von unterschiedlichen Charakteren beachtlich und reicht von Pflanzensammlern und klassischen Gärtnern über Botaniker bis hin zu Künstlern und es zeigt sich, dass der Gartenvirus sich gerne einmal in den Familien festsetzt und von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Es ist schon berührend, wie das Leben manchmal genau die richtigen Menschen an den richtigen Ort leitet und so etwas Einmaliges, etwas, das Liebe zur Natur, Harmonie und Esprit vereint, hervorbringt. Gartenträume erwachen zum Leben!
Die Geschichten von Gärten und Menschen sprühen vor Kreativität und Fantasie, geben Impulse zum Entdecken von Landschaften, die Schätze hüten, und sind ein Aufruf zum Koffer packen. Auf jeden Fall ist es eine Reise wert, diese Gärten zu erkunden. Dieser Band eröffnet fraglos die Gartenreise-Saison und ist für jene, die Frankreich auf andere Weise kennen lernen möchten, ebenso wie für Garten-Fans ein Must-Have.
Vielen Dank an den Gestenberg Verlag für das Rezensionsexemplar.
Stéphane Marie
Die schönsten Gärten Frankreichs
übersetzt von Carmen Hindemith, Rosa Kratz
264 Seiten Hardcover
Gerstenberg Verlag
ISBN 978-3-8369-2216-6