
Paris, Stadt der Liebe, Stadt der Romantik, Stadt der großen Kunst – das sind Begriffe, die einem als erstes in den Sinn kommen, wenn von der Metropole an der Seine gesprochen wird. In der Tat ist es eine Liebe, die Elli Ioannou zu ihrem Text-Bild-Band mit dem Titel „Geheime Gärten in Paris. Grüne Juwelen im Herzen der Stadt“ inspirierte.
Zwar war die renommierte Modefotografin einst in die Stadt gereist, um Models im Grünen zu fotografieren, entdeckt und festgehalten, hat sie dann eine neue Liebe, nämlich eine von Schönheit und Kontrast zur Hektik der Stadt gekennzeichnete Liebe. Es ist die Liebe zu den stillen, verborgenen Gärten, die sich hinter den großen Fassaden und Straßenzügen für jene öffnen, die zu sehen verstehen. Sie begann sich auf die Suche nach jenen grünen Refugien zu machen. Das bildete die Grundlage zu diesem Buch, in dem sie zwanzig dieser Orte beschreibt und durch eigene Fotografien festgehalten hat.
Das Buch lädt zu einer Entdeckung ein – und zwar auf raffinierte Weise. Das Erste, was man wahrnimmt, wenn man das Buch in die Hand nimmt, ist ein in Gold geprägtes Cover voller Säulen, um die sich Efeuranken schmiegen. Das Cover hat eine Öffnung, einem Tor gleich, das den Blick auf eine von weißen Blüten und grünen Gewächsen umgebene Statue frei gibt. Diese Gestaltung lässt sich symbolisch verstehen, denn Elli Ioannou möchte uns in die geheimen Gärten von Paris mitnehmen. Wobei sie die Gärten als das versteht, was sie seit Langem waren, ein Kulturelement, das die Vergangenheit auf eigene Art bewahrt und zugleich lebendig hält. Schließlich gehen wir ja in einen Garten, um uns zu erholen und uns an der Schönheit der Natur zu erfreuen. Dass es eine vom Menschen gestaltete Natur ist, kann man natürlich nicht vergessen, zugleich vermittelt es uns einen Anteil am ewigen Dialog zwischen Mensch und Natur. Es ist die Liebe zu Pflanzen, die umso größer menschliche Gemeinschaften sind, umso notwendiger für Geist und Körper ist.
Die abseits der großen Parks gelegenen grünen Oasen sind auf den ersten Blick wenig spektakulär, meist am Rande auftauchend, wenn man schon weitergehen will, dann wieder versteckt in einem Innenhof eines Hotels, als ein Museumsgarten, aber auch oft eine kleine Grünfläche mitten in einer Wohngegend. In manchen Gärten finden sich Cafés oder im Sommer Pop-Up-Restaurants. Unter Bäumen und vor großen Sträuchern sind es Bänke, die sich für den Vorbeiziehenden als Rast anbieten. Der Blick wird hier und da auf eine Statue oder ein Kunstwerk gelenkt und schon fliegen die Gedanken, verändert sich der Moment und der bewegte Geist kommt zur Ruhe. Vielleicht findet man auch Ruhe für die Lektüre eines Buches oder beobachtet die anderen beim Flanieren. Das mag wohl die berührendste Erfahrung sein, wenn man mitten im Alltag durch das Eintreten in einen wie auch immer gestalteten Gartenraum der Natur begegnet.
Dieses Buch möchte ein Reisebegleiter sein, der zu diesen Orten führt und hinter die Kulissen der Stadt und der vergangenen Geschichte einstiger Bewohnter blicken lässt. Wenn der Frühling auch noch fern ist, mag das Buch als Inspiration zu einer Parisreise anregen, die im Übrigen zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis ist.
Vielen Dank an den Gestenberg Verlag für das Rezensionsexemplar.
Elli Ioannou
Geheime Gärten in Paris
Grüne Juwelen im Herzen der Stadt
übersetzt von Carmen Hindemith
224 Seiten, Hardcover
Gerstenberg Verlag
ISBN 978-3-8369-2214-2