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Königin Sophie Charlotte auf Gartenreise

Bereits als Kind begleitete Prinzessin Sophie Charlotte (1668–1705) ihre Mutter Kurfürstin Sophie von Hannover (1630–1714) auf Reisen und lernte eine Reihe der prachtvollsten Gartenkunstwerke ihrer Zeit kennen. So waren beide in Versailles zu Gast und zwar bereits drei Jahre bevor Ludwig XIV. Versailles zum offiziellen Regierungssitz ernannte und eine dritte große Umbauphase beginnen würde. Den Anlass bot die Idee, die elfjährige Prinzessin mit dem Dauphin, also potentiellem Nachfolger, zu verheiraten. Woraus letztendlich nichts wurde. Doch unterhaltsam und beeindruckend war diese Reise auf jeden Fall.

Zudem war der Sonnenkönig offenbar erfreut und ließ in Versailles Fontänen und Brunnen sprudeln und wirbeln. Was eine große Ehre war, die bei Weitem nicht jedem zuteil wurde. Schließlich war die Wasserversorgung technisch aufwendig und längst nicht so ausgereift wie es heute zu erleben ist. Richtig überzeugen konnte es Kurfürstin Sophie offenbar nicht. Spöttisch kommentierte sie, Geld hätte hier weit größere Wunder vermocht als die Natur.

Im Jahre 1700 reisten Mutter und Tochter durch die Niederlande, in denen Kurfürstin Sophie aufgewachsen war. Sie besuchten auch den Garten des Schlosses Het Loo, der erst Jahre nachdem sie die Niederlande verlassen hatte, entstanden war. Er galt als der prachtvollste und bedeutendste Schlossgarten des Landes.
Prinz Wilhelm III. von Oranien und seine Frau Maria Stuart hatten ab 1686 in dem beliebten Jagdgebiet Veluwe bei Appeldorn Schloss Het Loo samt Garten anlegen lassen. Charakteristisch waren neben dem vielgestaltigen Parterre besonders die Kaskaden, Bassins und Springbrunnen. Zeitgenossen erschien dieses Werk als ein holländisches Versailles. Mit dem französischen Gegner setzte man den politischen Kampf also auf dem Gartengrund mit Broderien und in Bosketten fort.

Wenn die Kurfürstin sich auch bewundernd gegenüber diesem Kunstwerk äußerte, verglich sie es doch mit ihrem geliebten Schlossgarten von Herrenhausen und blieb fast ein wenig spitzzüngig angesichts dessen Schönheit.
Ihre Tochter war offensichtlich sehr angetan von der Pracht des Gartens. Wobei sich der Barockgarten von Het Loo unter der Herrschaft von Louis Bonaparte, der durch seinen Bruder Napoleon zum König von Holland geworden war, zum Landschaftsgarten wandelte. Durch Zufall wiederentdeckt und durch Ausgrabungen dokumentiert, erstand er im 20. Jahrhundert neu.

Prinzessin Sophie Charlotte wurde durch Heirat zur Kurfürstin von Brandenburg und ersten Königin in Preußen und ließ sich ein Sommerdomizil an der Spree errichten, in dem viele der Inspirationen, die sie auf den Gartenreisen empfangen hatte, in der Gestaltung lebendig wurden. Mag sein, dass Sophie Charlotte nach historischer Einschätzung nicht das diplomatische Geschick und den politischen Scharfsinn ihrer Mutter besaß, doch ohne Zweifel verband sie in ihrer Förderung der Künste eine ältere holländisch-italienischen Tradition mit einer am Vorbild von Versailles orientierten neueren deutschen Gartenkunst. Schloss Charlottenburg konnte das auf gewisse Weise bewahren, wenn es auch spätere Besitzer dazu anregte, Veränderungen vorzunehmen.

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