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Buchtipp: Shakespeares Gärten

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Liebe und Lust, Leidenschaft und Verrat, Tod und Vergebung – das sind die Themen, um die Shakespeares Komödien, Tragödien und Sonette wortgewaltig kreisen.
Zuschauer wie Leser ziehen sie in ihren Bann. Ob Sie wollen oder nicht, Sie lieben mit Romeo und Julia, leiden mit Ophelia und Hamlet, taumeln mit Othello und Macbeth ins Unglück oder jubilieren mit der schönen Hero und ihrem verliebten Claudio.
Heldinnen und Helden, wohlmeinende Begleiter und hinterlistige Bösewichte tummeln sich dabei im Garten, wandeln durch Wälder, sammeln Blumen und Kräuter oder erhalten aus Pflanzen gewonnene Mixturen, die sie verzaubern oder vernichten.
So erfährt Hamlet vom Geist seines Vaters, dass dieser während seines üblichen Nachmittagsschlafes im Garten mit einem Extrakt, womöglich aus Bilsenkraut gewonnen, ermordet wurde. Puck verwendet im „Sommernachtstraum“ den Saft der Stiefmütterchen als Liebesrank. Ophelia verteilt – wahnsinnig vor Trauer über den Tod ihres Vaters und aus Liebesleid – Blumen und Kräuter an vermeintlich Anwesende. Die Königin wird ihr schließlich mit den Worten „der Süßen Süßes“ Blumen aufs Grab streuen. Sanft schläft dagegen Feenkönigin Titania im schattigen Wald, der einer Traumwelt gleicht und zu verwirrenden Verwechslungen die schützende Kulisse liefert.

Wie kenntnisreich, wirkungsvoll und vertraut mit der zeitgenössischen Pflanzensymbolik, Botanik und der auf Kräutern basierenden Heilkunde der große Meister des Theaters das Publikum einst und heute mit all dem, was im Garten, Wald und auf der Flur wächst und grünt, erfreut und überrascht, vermittelt dieses liebevoll gestaltete Buch. Gleichermaßen ein „Must-have“ für Literatur- und Gartenfreunde! Denn Shakespeare war ein Pflanzenkenner und erwähnt etwa 120 Arten in seinen Stücken.

Die Autorin Jackie Bennett nimmt die Leser mit auf eine Gartenreise durch Shakespeares Gärten einst und jetzt, blickt zurück auf Lebenswelten voller Krankheiten, wo doch gegen fast jedes Leid, ein Kraut gewachsen schien. Sie ist eine mehrfach ausgezeichnete Gartenbuchautorin, produzierte Sendungen zu den Themen Garten und Naturgeschichte, hat in England verschiedene Gartenmagazine herausgegeben und recherchierte für dieses Buch, unterstützt vom Shakespeare Birthplace Trust, bisher unveröffentlichte Dokumente. Gerne spaziert man an ihrer Seite durch die Gärten aus Shakespeares Kindheit und Jugend in und um Stratford-upon-Avon, folgt dem ambitionierten jungen Mann nach London und kehrt mit dem erfolgreichen Dichter zurück, der für sich und seine Familie Gärten mit Zier-, Nutz- und Heilpflanzen anlegen ließ.

Leichtfüßig wandelt die Autorin auf schmalen Kies- und Steinwegen zwischen sorgsam gepflegten Beeten und überquert Obstwiesen, widmet sich hier und da einer einzelnen Pflanze, beschreibt ihren Wuchs, ihre symbolische Bedeutung, ob sie in England heimisch war oder wann sie ansässig wurde und informiert über ihre pharmazeutische Substanz. Dazu zitiert sie aus Shakespeares Werken, sodass Leserinnen und Leser ganz unmerklich in die Lebenswelt des Dramatikers eintauchen.

Begleitet werden die von Anke Albrecht ins Deutsche übersetzten Texte von historischen Drucken, Gemälden und zauberhaften Gartenfotos, die Andrew Lawson, einer der renommiertesten Gartenfotografen, anfertigte. Er ist vielfach ausgezeichnet, arbeitet regelmäßig für berühmte Gartendesigner und wurde von Prinz Charles als Fotograf für sein Buch über den Park von Highgrove engagiert. Die Royal Horticultural Society verlieh ihm 1993 die Goldmedaille für Fotografie.

Wer bisher wenig auf Blumen, Kränze, Kräuter oder die lauschigen Gartenräume und Waldidyllen in Shakespeares Werken geachtet hat, sich vielmehr von der Dramatik und Leidenschaft der Gefühle, Verwirrungen und Verwechselungen hinfort tragen ließ, wird in Zukunft aufmerksam auf all die genannten Pflanzen und vorgeführten Gärten achten. Jackie Bennett gelingt es eindrucksvoll zu zeigen, wie der gefeierte Nationaldichter aus seinen Naturbeobachtungen schöpfte, um poetische Beschreibungen zu erschaffen, die die Menschen berühren, ihnen in den kleinen Nebensächlichkeiten des Alltags zugleich Schönheit und Nützlichkeit, Ängste und Gefahren vorführen.

Dieses Buch ist weit mehr als ein Gartenbuch oder ein biografisch-botanischer Begleiter zu Shakespeares Werk in Erinnerung an den 23. April 2016, da sich zum 400. Mal der Todestag des Dichters jährte. Vielmehr offeriert es eine Kulturgeschichte der Shakespeare-Zeit, die ganz nebenbei die Neugier und Reiselust weckt. Denn allzu gerne möchten begeisterte Theaterfans wie Gärtner nach der Lektüre aufbrechen, um Mary Arden’s Farm, Anne Hathaway’s Cottage, Hall’s Croft und die Gärten von Shakespeares Geburtshaus und von New Place mit eigenen Augen zu sehen. Vielleicht versetzt der Duft von Lavendel oder Veilchen Gartenbesucher dann in Titanias Zauberreich der Sinne. Dieses Buch weist auf jeden Fall den Weg.

 

Jackie Bennett
Anke Albrecht (Übers.)
Andrew Lawson (Fotos)
Shakespeares Gärten
194 Seiten, 23 x 27 cm
gebunden, mit Schutzumschlag, zahlreiche Abb.
ISBN 978-3-8369-2111-4
EUR (D) 29.95 | EUR (A) 30.80 | SFr 36.80

Herzlichen Dank an den Gerstenberg Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Veröffentlicht unter Allgemein, Auf Reisen, England | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

2 Antworten zu “Buchtipp: Shakespeares Gärten”

  1. Robert Miller sagt:

    Toller Tipp.
    Ich werde berichten.

    Grüße von Robert Miller

  2. Saskai sagt:

    Das Buch kenne ich…schön gestaltet
    Viele Grüße aus der Heimat

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