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Wo der Sonnenkönig sich vermählte: Saint-Jean-de-Luz

 

Weit im Südwesten Frankreichs, am Fuße der Pyrenäen und den rauen Wassern des Atlantiks, mitten im Baskenland, zwischen dem eleganten französischem Seebad Biarritz und der spanischen Provinzhauptstadt San Sebastian liegt Saint-Jean-de-Luz. Das ehemalige Fischerdorf und berüchtigte Piratennest bringt es zusammen mit der unmittelbar anschließenden Nachbargemeinde Ciboure auf knapp 14.000 Einwohner.

Es lässt sich herrlich am Strand schlendern und im bedeutendsten Thunfischhafen Frankreichs den athletischen Fischern frühmorgens bei der Arbeit zuschauen. Dieser Ort, weit ab von Paris, hat Geschichte geschrieben, unblutig, glamourös und entsagungsvoll-romantisch. Jedes Bunte Blatt würde sich heute um die Story reißen.

Zwischen engen Gassen mit rot-weißen Fachwerkbauten und steingrauen Häusern taucht unmittelbar der Schauplatz des Ereignisses auf: die Kirche St-Jean-Baptiste. In der äußerlich unscheinbaren Dorfkirche heiratete am 9. Juni 1660 der zweiundzwanzigjährige französische König Ludwig XIV. die spanische Infantin Maria-Theresa. Im Inneren gleich das Gotteshaus einem Schiffsbauch, dessen Flanken mehrgeschossige Holzgalerien einrahmen, und dessen Altarretabel goldverziert, unter zahllosen Kandelabern erstrahlend Staunen hervorruft.

Es heißt, zögernd willigte Ludwig in die Ehe mit der Habsburgerin ein. Sein Herz gehörte längst der schönen Maria Mancini, seiner ersten großen Liebe. Die schickte ihr Onkel, Kardinal Mazarin, kurzerhand ins Exil und Ludwig reiste ins Baskenland, wo ihn die Infantin sicherlich voller Herzklopfen erwartete. Dass Ludwig später noch mehrfach sein Herz an große Lieben verlor, ist Legende geworden.

Den historisch-kulturellen Aspekt der Ortschronik absolviert, folgen sinnliche Genüsse. Nein, nicht zum Meer, sondern vom seitlichen Eingangsportal der Kirche geradeaus, den Boulevard Victor Hugo überquerend, keine fünf Minuten Fußweg, finden Sie einen der schönsten Wochenmärkte an der baskischen Küste, einen Marché couverte, geöffnet vormittags am Dienstag und Freitag, im Juli und August auch am Samstagmorgen.

In dieser stilvoll verzierten Markthalle aus der Zeit der Dritten Republik verführen Pfirsiche, Weintrauben, Nüsse, Käse und Fische aller Arten, goldgelbe Landbrote und die hochgelobten Mandelmakronen Augen, Mund und Nase während das Ohr, die wie Gesang klingenden fremden Laute erhascht und der Geist die ganze Atmosphäre gleichsam konservierend aufsaugt, um an einem dieser derzeitigen unbestimmten Spätwintertage davon zu zehren. Herrlich. Wie Gott in Frankreich.

P.S. Die Legende berichtet noch heute davon, dass die Seitenpforte durch die das Brautpaar die Kirche verließ, zugemauert wurde: Auf das nie eines Menschen Fuß nach dem Sonnenkönig die Schwelle betreten möge!

www.france-voyage.com
www.saint-jean-de-luz.com

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Eine Antwort zu “Wo der Sonnenkönig sich vermählte: Saint-Jean-de-Luz”

  1. Margarete Büchner sagt:

    Es heißt nicht umsonst, wie Gott in Frankreich.
    Das Foto hätte dem Sonnenkönig sicher auch gefallen.
    Der Beitrag hat meine Sehnsucht nach Frankreich
    wieder geweckt.

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