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Kleine Sommerlektüre, Mecklenburgerinnen (5): Elisabeth von Dänemark

 

Schloss Güstrow

 

Im Jahre 1556 heiratet Herzog Ulrich von Mecklenburg die drei Jahre ältere Tochter des dänischen Königs Friedrich I. Elisabeth. Da ist die dänische Prinzessin bereits eine verwitwete Herzogin von Mecklenburg, denn ihr erster Gemahl war der 1550 verstorbene Herzog Magnus III. von Mecklenburg, ein Vetter ihres zweiten Ehemannes. Als gebildet und selbstbewusst, fromm und engagiert beschreiben sie die Zeitgenossen. Elisabeths reiche Mitgift ist eine wichtige Grundlage für die aufwendigen Umbauten am Güstrower Schloss.
Persönlich verwaltet sie ihre, als Hochzeitsgeschenke vom ersten wie vom zweiten Ehemann erhaltenen Güter Grabow und Grevesmühlen. Sie wirtschaftet umsichtig, plant für die Zukunft. Sie lässt Bäume in den Heidbergen pflanzen, einem wenige Kilometer von Güstrow entfernt gelegenen Gebiet, das nach jahrhundertelangem Holzeinschlag verödet ist. Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster in Rühn liegt ihr sehr am Herzen. Herzog Ulrich hatte es ihr 1557 geschenkt. In ihrem Auftrag erfolgen die Renovierung und die Einrichtung einer Schule für adelige Mädchen. Noch heute findet sich in der Kirche von Rühn ein Altar, der Herzogin Elisabeth und Herzog Ulrich auf den Seitenflügeln zeigt.

Unter der Regierung ihres Vaters hatte Herzogin Elisabeth die Durchsetzung der lutherischen Reformation in Dänemark erlebt. In Güstrow setzt sie sich für den Umbau des Domes zur evangelischen Hofkirche ein. Der nach der Reformation von den Chorherren verlassene Bau wäre bald zum Steinbruch geworden. Auf Anregung der Herzogin und zu Teilen von ihr finanziert, entstehen im Dom fürstliche Grabdenkmäler. Der Umbau rettet den Dom.
Das für Herzog Ulrich und seine Ehefrauen Elisabeth von Dänemark und Anna von Pommern errichtete Ulrich-Monument  zählt heute zu den bedeutendsten fürstlichen Erinnerungsgrabmälern der Renaissance. Geschaffen wurde das Kunstwerk von Philipp Brandin, Claus Midow, Bernd Berninger und ihren ungenannten Gesellen, Lehrlingen und Handlangern.
Kniend präsentiert sich Herzog Ulrich geschützt durch einen prunkvollen Harnisch. Er wendet sich betend dem Altar zu. Hinter ihm kniet Elisabeth. Ihr Kleid besteht aus weißem Marmor mit goldenen Borten, graziösen Puffärmeln und einem weiten, vielfaltigen Kragen nach der herrschenden Mode. Auf dem Kopf trägt sie eine zierliche Haube, einer Krone gleich. Die Knie lagern auf einem kostbaren Kissen. Anna von Pommern, die der Herzog zwei Jahre nach Elisabeths Tod heiratete, folgt als letzte. Ihre Gestalt ist kleiner, ihr Gewand wirkt leichter. Die Ärmel des Kleides sind voluminöser, weit geschlitzt. Auf dem Kopf trägt sie eine Stuarthaube.

Rechts neben dem Ulrich-Monument befindet sich ein Wandgrab für Dorothea von Dänemark, Elisabeths Schwester. Sie war mit Herzog Christoph von Mecklenburg, einem jüngeren, glücklosen Bruder Herzog Ulrichs verheiratet. Das antikisierende Baldachingerüst ist bedeutend kleiner. Dorothea ist als Liegende dargestellt mit zum Gebet gefalteten Händen. Kostbare Materialien wie Alabaster und Marmor sind in gleichwertiger handwerklich vollendeter Form verarbeitet worden. Übereinstimmung herrscht in der Gestaltung von Gesichtszügen und Gewand. Elisabeths schwesterliche Zuneigung ermöglichte dieses ehrenvolle Grabmonument für die in der Ehe unglücklich Gewordene und früh davon Erlöste.

 

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