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Hiddensee. Sehnsuchtsort und Sommertraum

 

Vor der Insel Rügen

 

Wie lässt sich ein Sehnsuchtsort beschreiben? Ähneln sich unsere Träume und Schwärmereien? Vielleicht. Hiddensee. Sommer, Sonne, Strand – so einfach ließe sich zusammenfassen, was diese kleine Insel vor der Westküste der Insel Rügen bedeuten kann. Vorausgesetzt, Sie können sich Bewegung ohne eigenes Auto vorstellen. Auf der rund neunzehn Quadratkilometer großen Insel sind keine privaten Fahrzeuge erlaubt – allein einige wenige Nutzfahrzeuge fahren über die sandigen Wege. Rollt so ein Gefährt heran, wundert man sich fast schon und hält es für eine Erscheinung aus einer anderen Welt. Einer Welt, die man zurück gelassen hat. Zumindest für ein, zwei Wochen. Vielleicht auch nur für einen Ausflugstag, hinüberkommend mit der Fähre vom Rügen-Hafen Schaprode, wo ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen.

Nun beginnt die Langsamkeit zu Fuß oder mit dem Rad. Fürs Gepäck warten Handwagen, die die Vermieter und Hoteliers in den Häfen postieren. Wahlweise stehen Pferdekutschen bereit. Bei Regen selbstverständlich mit Plane.

Wenn Sie mit dem Schiff von Stralsund aus anreisen, beginnt das Loslassen schon an Bord. Etwa mit Fischbrötchen und einem Panoramablick auf die alte Hansestadt und die neue Rügenbrücke, die aus der Ferne wirklich wie ein riesiges Segelboot erscheint. Bis zum ersten Halt, dem südlichen Inselhafen Neuendorf sind es 90 Minuten und der nördliche Hafen Kloster ist nach zweieinhalb Stunden erreicht. Da hat der Städter Zeit, sich auf die Natur vom hügeligen Norden mit dem markanten Leuchtturm am Dornbusch, der Steilküste, dem langen Strand an der Westküste, der Heidelandschaft zu freuen. Der schmale südliche Teil geht in das Vogelschutzgebiet auf dem Gellen über, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

„Dat söte Länneken“ (das süße Ländchen) hat keine Kurpromenade, Disco oder Nachtbar, dafür Meeresrauschen, Sternenglanz, Konzerte und Lesungen etwa in der Insel-Kirche oder im Gerhart-Hauptmann-Museum in Kloster. Ja, der Dichter liebte diese Insel, wie so viele, etwa Joachim Ringelnatz, Käthe Kruse, Albert Einstein. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wer Lust auf Kunst hat, dem seien die zauberhaften Aufführungen auf der Seebühne, dem maritimen Kammertheater in Vitte, empfohlen.

Gehen Sie in Vitte von Bord, befinden Sie sich bereits im administrativen Insel-Mittelpunkt. Wer gut zu Fuß ist, kann die etwa 16,5 Kilometer lange Insel rasch durchmessen. Auch die Breite ist übersichtlich: von 250 bis zu etwa 3750 Metern. Alles ist Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Von Vitte könnten Sie nach Süden aufbrechen und würden ins Fischerdorf Neuendorf gelangen. Ein stilles Dorf, das eine Ahnung von der Härte des Lebens in alten Zeiten vermittelt.

Wollen Sie von Vitte nach Norden, führt ein sandiger Weg ins rund zwei Kilometer
entfernte Kloster, durchquert den Ort, rechts ein Schild mit der Aufschrift „Hafen“, geradeaus weiter kommt das älteste und kleinste Dorf Grieben, links geht’s dann ins Hügelland. Da grüßt schon der Leuchtturm, von dem aus Sie einen herrlichen Blick über Land und Meer genießen könnten.

Mit allerlei Abzweigen und Zwischenstopps an reetgedeckten Katen, architektonischen Kleinoden, einer früheren Seenotrettungsstation, Kirche und Inselfriedhof ist dieser Weg eigentlich ein Kulturpfad. So entdecken Sie die bewegte Inselgeschichte mit Piraten, einem vergrabenen Goldschatz, glaubensstarken und tatkräftigen Zisterziensern, einem zerstörerischen Waldbrand im Dreißigjährigen Krieg, Künstlern, Lebenskünstlern und der Verwandlung eines rauen, abgeschiedenen Lebensortes in ein sommerliches Refugium. Lektüre genug für laue Sommerabende am Strand. Aber Vorsicht. Wer damit beginnt, ist der Insel verfallen und kommt immer wieder. Was wünschte doch einst Gerhart Hauptmann: „…nur stille, stille, dass es nicht etwa ein Weltbad werde.“

Leuchturm auf Hiddensee

Veröffentlicht unter Allgemein, Auf Reisen | 1 Kommentar

Eine Antwort zu “Hiddensee. Sehnsuchtsort und Sommertraum”

  1. Anne Stören sagt:

    dem Wunsch von Gerhart Hauptmann schließe ich
    mich an.
    Es liegt ein Zauber auf dieser Insel.

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