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Frankreichs “Blaue Küste”

 

Ein atemberaubender Blick zur linken Seite auf das Meer, nachdem die Tunnel von Monaco hinter uns liegen. In meinem Kopf singt Adriano Celentano Azzurro. Dieses Blau, das zwischen den schroffen Felsen immer wieder aufblitzt, spult unendliche Bildstreifen ab: Grace Kelly, wie sie über Serpentinen hinabfährt, Marcello Mastroianni sitzt neben Brigitte Bardot im Fond eines flotten roten Sportwagens und James Bond blickt lässig zurück und fragt, ob sie Feuer hätten. Jetzt hab ich wohl was durcheinander geschmissen. Auf jeden Fall: alle, alle waren sie hier, an der Côte d’Azur.

Frankreichs „Blaue Küste“ ist ein Mythos. Schon die Mann-Geschwister Erika und Klaus reflektierten in ihrem „Buch von der Riviera“ von 1932 über die „Legende von Luxus, Glanz, rollender Kugel, Hermelinpelz und Champagnerseligkeit“. Ein junger Mythos allerdings.
Erst seit dem späten 18. Jahrhundert entdeckten die reiselustigen Engländer – wer sonst! – die kleinen Küstenorte, um dort Bridge spielend und Tee trinkend dem nebeltrüben englischen Winter zu entfliehen. Unversehens avancierten Fischerdörfer und Felsennester zu den teuersten und luxuriösesten Ferienorten der Welt.
Es hat seinen ganz eigenen Charme, nachts mit unzähligen Gleichgesinnten an der Croisette in Cannes zu flanieren, sich in Nizza bei sengender Sonne am womöglich schönsten Stadtstrand der Welt zu bräunen und von den bizarren roten Felsen des Esterelmassivs auf das tiefblaue Meer wie auf die Unendlichkeit zu blicken. Ein Sommerferientraum!

Der auf angenehme Art verlängert werden kann. Denn zwischen Monaco und Nizza liegt die Lösung: Éze. Gut zu erreichen über die Moyenne Corniche, die mittlere von drei in den Fels gehauenen Landstraßen mit Abschnittsweise sagenhaften Ausblicken. Ein zweigeteilter Ort: Das frühere Fischerdorf Èze-sur-Mer zu Fuß des steilen Felsens und auf fast 430 Metern Èze Village. Eins dieser wie Nester in den Fels gebauten „villages perchés“.

Lieber arm als tot, siedelten die Küstenbewohner zum Schutz vor Angreifern jeder Art hoch über dem Meer. Ein felsiger Steig verbindet beide Ortsteile, den schon der Philosoph Friedrich Nietzsche während seines Winteraufenthaltes 1883/84 erklomm. Ein anstrengender 1,5 Stunden dauernder Aufstieg und ein etwas entspannter 45-minütiger Abstieg. Nietzsche verfasste übrigens Teile seines „Also sprach Zarathustra“ zu jener Zeit.
Was wollten Sie bei Gelegenheit noch schreiben, malen oder komponieren? Sagenhaft elegante Luxusherbergen und Restaurants, die zum Überstrapazieren der Urlaubskasse verführen meidend, sollten Sie nicht versäumen, eine der traditionellen Parfümerien zu besichtigen. Ob Sie sich nun für Fragonard oder Galimard entscheiden, ist Geschmackssache. Beides sind Ableger der berühmten Betriebe aus Grasse, einer der sagenumwobenen Hauptstädte des Duftes. Spätestens seit Patrick Süskinds (auch verfilmten) Bestseller „Das Parfüm“ Ziel manches Cineasten.

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