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Der Herrnhuter Stern leuchtet überall

 

Von Weitem war sein helles Licht zu sehen. Immer wenn ich am frühen Morgen das Haus meiner Großmutter verließ, beleuchtete mir der Herrnhuter Stern den holprigen schmalen Weg durch den Garten bis zum Zaun. Die Dorfstraße lag einsam vor mir und so schien es, als ob der Stern allein für mich strahlte und mir den Schulweg in der Adventszeit zu einem Lichtweg machte. Am Abend erzählte Großmutter zu dieser Zeit oft aus ihrer Kindheit. Von all den Geschichten aus der Bibel, die einst im Kreis der großen Familie erzählt und vorgelesen wurden, während die Frauen und älteren Mädchen die Spinnräder schnurren ließen. Wenn sie davon berichtete, dass der Stern von Bethlehem den Weisen aus dem Morgenland den Weg zum Jesuskind wies, stellte ich mir den Herrnhuter Stern vor, wie er gelblich strahlend über die winterlich verwandelte Welt leuchtete. Ganz wie am Morgen, wenn ich ihn als erste sah.

Jetzt leuchtet dieser Stern aus Herrnhut, einem kleinen sächsischen Ort im Dreiländereck, über unserem Haus. Seine Geschichte begleitet ihn. Vor über hundert Jahren entstand in Herrnhut der Brauch, einen Stern aus viereckigen und dreieckigen Zacken gemeinsam im Kreise der Familie zusammenzustecken und am ersten Adventssonntag aufzuhängen. Herrnhut wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von Nachfahren der Alten Brüder-Unität aus Mähren gegründet. Der Ort war bald Ausgangspunkt einer regen weltweiten Missionsarbeit. Kinder, deren Eltern in der Mission tätig waren, lebten in Schulen und Internaten der Evangelischen Brüder-Unität. Einer ihrer Erzieher bastelte einen Stern aus Papier und Pappe. Der Stern schenkte den Kindern Freude in der Adventszeit und sollte ihnen die Trennung von den Eltern erleichtern. Bald schon stellten die Kinder die Sterne selbst her.

Anfang des 20. Jahrhunderts setzte die serienmäßige Produktion in einer Manufaktur ein. Der Herrnhuter Stern verbreitete sich über die ganze Erde und ziert Wohnstuben, Kirchen, Schulen, Marktplätze, Schlösser. Der schönste Ort scheint ein hoch über den Häusern eines Dorfes oder einer Stadt sich erhebender Kirchturm zu sein, den ein Herrnhuter Stern schmückt. Er erinnert an die Hoffnung mit seinem Licht, Wärme, Frieden und Sorge füreinander in die Herzen der Menschen zu tragen.

Die Original Herrnhuter Sterne gibt es in verschiedenen Größen und Farben sowie für Innen wie Außen. Verbreitet ist der Aufbau aus 17 viereckigen und 8 dreieckigen Zacken. Für die Montage ist ein wenig Geduld erforderlich und ein kräftiger Daumen hilfreich.

Das Basteln löst eine Vorfreude aus auf die besinnliche Adventszeit mit ihren Düften und Lichtern, mit den Heimlichkeiten und den gespannten Kinderaugen, wenn die Kleinen fragen, wie oft sie denn noch schlafen müssen. Endlich ist der Sonntag da, an dem das erste Licht entzündet wird. Jetzt findet der Herrnhuter Stern wieder seinen Platz. Ich erinnere mich an Großmutters Geschichten und stelle mir die drei Könige vor, wie sie ihren Weg beleuchtet von einem Stern, der wie ein Herrnhuter aussieht, nach Bethlehem finden. Schöne Adventszeit!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit | 9 Kommentare

9 Antworten zu “Der Herrnhuter Stern leuchtet überall”

  1. Nina Müller sagt:

    Der Stern gefällt mir sehr gut. Ich versuche mal, einen solchen Stern zu basteln.

  2. Editha Weber sagt:

    Liebe Karin! Super! Vielen Dank für die Information und viel Spaß für alle Bastelfreunde!

  3. Karin Hölblinger sagt:

    Hallo Editha,

    habe soeben eine tolle Bauanleitung für den Herrnhuter Stern im Internet gefunden.
    http://www.zuerich-reformiert.ch/zms/content/e11083/e14251/e17931/e18108/e18117/BestelanleitungHerrnhuterStern.pdf
    Meine SchülerInnen arbeiten schon!
    Liebe Grüße
    Karin

  4. Editha Weber sagt:

    Super! Das ist ja ein toller Tipp. Danke!

  5. Monika Gegg sagt:

    Der Stern sieht super aus – es gibt sogar auf you tube einen Kurzfilm wie der Stern zusammengebaut wird.

  6. Editha Weber sagt:

    Danke. Auf den Stern freue ich mich in jedem Jahr.

  7. Mona Benz sagt:

    Ein Stern leuchtet. Es ist ein ganz besonderer Stern, denn er zeigt an, Weihnachten kommt.
    Sie haben es so wunderbar beschrieben, ich konnte mir so richtig vorstellen, wie die Kinder basteln und sich auf das Fest freuen.

  8. Editha Weber sagt:

    Liebe Karin, vielen Dank für die lieben Worte. Ich freue mich sehr, wenn meine Geschichte in die Welt geht. Sehr gerne kannst Du Sie vorlesen. Eine Bauanleitung für den Herrenhuter habe ich leider nicht. Nur eine Anleitung für das Zusammenstecken der vorgefertigten Zacken. Ich versuche das mal rauszubekommen. Einen lieben Gruß und eine schöne Woche! Editha

  9. Karin Hölblinger sagt:

    Liebe Editha,
    hast Du eine Bauanleitung für einen Herrnhuter Stern?
    Übrigens, Deine Geschichte gefällt mir sehr gut, würde sie gerne bei meiner Weihnachtsfeier in der Schule vorlesen. Darf ich?
    Busserl
    Karin

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