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Buchtipp: „Ich schreibe, also bin ich“

Wer kennt sie nicht, diese kleinen, liebevoll gestalteten, in Fadenheftung und Halbleinen mit einem blaufarbenen Buchrücken versehenen Bücher, die von Frauen, ihren Leben, Lieben und Leiden erzählen. Immer spannend, Neugier weckend und dazu noch im praktischen Handtaschenformat erhältlich. Seit 1999 erscheint diese fabelhafte „blue notes“ – Reihe in dem 1990 von Brigitte Ebersbach als edition ebersbach gegründeten Verlag, seit 2015 edition ebersbach & simon, nachdem Sascha Nicoletta Simon den Verlag übernommen hat. Inzwischen umfasst die Reihe 85 Bände! Da darf frau/man herzlich gratulieren und sich als interessierte/r Leser/in auf eine Reihe von Neuzugängen freuen.

Zu diesem zählt blue notes Band Nr. 83 mit dem Titel „Ich schreibe, also bin ich“ von Simone Frieling. Die bekannte Autorin und Malerin widmet sich in ihren biografischen Essays schreibenden Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts. Zu finden sind neben Gertrude Stein ebenso Virginia Woolf, Marina Zwetajewa, Rosa Luxemburg bis zu Sylvia Plath und Hannah Arendt. Die Autorin Simone Frieling nähert sich diesen Frauen auf der existenziellen Suche nach ihren ureigensten Bedürfnis an, nämlich auf der Suche nach ihrem Ort zum Schreiben. Denn wie schrieb Virginia Woolf so treffend und fordernd zugleich: „Eine Frau muss Geld und ein eigenes Zimmer haben, um schreiben zu können.“

Aber wie konnten jene Frauen zwischen politischen Ereignissen wie persönlichen Bedürfnissen und familiären Verpflichtungen ihre Orte des Schreibens finden? Dabei waren es selten komfortable Schreibtische und Zimmer, allzu oft viel eher Dachböden, Küchentische oder eine Gefängniszelle. Simone Frieling hat ihre Romane, Briefe, Tagebücher und Gedichte gelesen und versucht, sich ihre Lesenssituationen vor Augen zu führen. Diese Annäherung ist so menschlich und persönlich, gelingt ihr sprachlich so behutsam und emphatisch, dass dem Lesenden eindringlich die Seelennöte, Ängste und Krisen, aber auch die Sehnsüchte und Hoffnungen der schreibenden, liebenden und sich selbst suchenden Frauen fassbar, vorstellbar werden.

Unfassbar, unvorstellbar bleiben hingegen zahlreiche Momente der Zerrissenheit und Einsamkeit, die das Leben etwa von Marina Zwetajewa und Katherine Mansfield geprägt haben. Wie ist es ihren gelungen unter den widrigsten Bedingungen ergreifend zu schreiben, Weltliteratur zu erschaffen. Dass Simone Frieling hier spannend zu verfolgende Betrachtungen des Lebens dieser bekannten Schriftstellerinnen bietet, ohne eine weitere biografische Skizze zu entwerfen, sondern eine ganz eigene Darstellung, die sich aus dem Widerspruch zwischen dem inneren Sein und den äußeren Bedingungen entwickelt, ist ihr großes Verdienst. Wie Simone Frieling auf 144 Seiten Porträts großer, mit sich selbst kämpfender, schreibender Frauen verfasst, ist beeindruckend.

Simone Frieling
Ich schreibe, also bin ich
Edition ebersbach & simon
ISBN: 978-3-86915-185-4
144 Seiten

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