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Buchtipp: A Sentimental Journey. Laurence Sterne in Shandy Hall

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans von Trotha hat ein neues Buch veröffentlicht. Ein Essay, das sich einem Autor der besonderen Art widmet: Laurence Sterne. Mit seinem Hauptwerk „The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman“ und dem Roman „A Sentimental Journey Through France and Italy“ erregte Sterne trotz Kritik großes Aufsehen und veränderte nachhaltig die Literatur. Statt zielgerichteten Handlungen überraschte und verwirrte er das Publikum mit Nebenschauplätzen, Umwegen, Abweichungen und außergewöhnlichen Assoziationen. Man denke nur an die legendäre Standuhr. Statt einer fortschreitenden äußeren Handlung fasziniert Sterne seine Leser durch einen nach Innen gerichteten Blick. Nichts entwickelt sich so, wie es der Leser nach bisherigen Erzähl-Konventionen erwartet.

Zudem erwies sich der spät zum Autor berufene Pfarrer aus der Provinz als genialer PR-Agent in eigener Sache. In wenigen Monaten verwandelte sich der Unbekannte in einen Autor, der zum Londoner Stadtgespräch wurde. Was für ein Coup! Unverzüglich erschienen Sternes Werke in zahlreichen Übersetzungen. Besonders in Deutschland inspirierte Sterne eine sich als empfindsam verstehende Weltwahrnehmung, die zahlreiche Epigonen hervorbrachte. Einschließlich Jean Paul, den Hans von Trotha Sternes Meisterschüler nennt. Das empfindsame Zeitalter ermutigte zum Gefühlsrausch in Briefen, Liedern und Gesängen bis hin zu Gärten voller steinerner Zitate.

Am 18. März 2018 jährte sich Sternes Todestag zum 250. Mal. Anlass genug, um sich diesem höchst eigenwilligen Mann und der Art, wie er die Welt um sich herum betrachtete, zu widmen.

Hans von Trotha begibt sich hierzu auf eine sentimentale Reise ganz im Geiste Sternes. Sie beginnt in der National Portrait Gallery in London und führt bis nach Coxwold, dem letzten Wohnsitz des berühmt-berüchtigten Autors. Natürlich nicht geradewegs und keineswegs chronologisch. So fällt es nicht ganz leicht, dem Text zu folgen. Wie Sterne schweift Hans von Trotha ab, greift vor, blickt zurück. Trotzdem oder gerade deshalb ist es spannend, weiterzulesen. Das 144 Seiten umfassende Buch ist einfach nicht aus der Hand zu legen. Am Ende wirbeln die Gedanken nur so durcheinander und die Erkenntnis ist gereift, sich als nächstes den Werken Sternes zu widmen, am besten im englischen Original. Denn besonders die zahlreichen Zitate aus den Werken von Laurence Sterne ermutigen zur Lektüre und wenn man Sterne, nach Hans von Trotha als einen Vorläufer der britischen Komiker-Gruppe Monty Python verstehen kann, verspricht eben jene unterhaltsame Stunden.

Verwiesen sei an dieser Stelle auf die vertraut liebevolle Gestaltung des Textes in der Wagenbach Reihe Salto, die die individualisierende, künstlerisch motivierte Buchgestaltung des „Tristram Shandy“ aufgreift. Also nicht nur lesenswert, sondern auch ein haptisches Vergnügen!

Hans von Trotha
A Sentimental Journey
Laurence Sterne in Shandy Hall
Wagenbach Verlag
SALTO. 2018
144 Seiten. 11 x 21 cm. Mit Abbildungen. Gebunden mit Schildchen und Prägung. Rotes Leinen. Fadengeheftet
17,– €
ISBN 978-3-8031-1332-0

Herzlichen Dank an den Wagenbach Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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