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Kleine Sommerlektüre, Dresdnerinnen (1): Mutter Anna

 

Denkmal Dresden

 

Was einem beim Spaziergang durch Dresden auffällt: die Erinnerung an Männer dominiert den öffentlichen Raum. Angefangen vom Goldenen Reiter auf dem Neustädter Markt, Martin Luther vor der Frauenkirche, dem klugen König Johann auf dem Theaterplatz und vom Fürstenzug ganz zu schweigen. Selbst auf dem Rathaus zieht ein Goldener Mann alle Blicke auf sich. Um etwas von Dresdens Frauen zu erfahren, heißt es auf Entdeckungsreise gehen. Beim Blick auf das Coselpalais in der Nähe der Frauenkirche fällt einem die wohl berühmteste Geliebte des starken August ein. Namensgebend ist hier jedoch deren Sohn. Die Sixtinische Madonna und das Schokoladenmädchen, die beiden prominenten Kunstwerke der Gemäldegalerie Alte Meister, sind sicher weltbekannte Dresdnerinnen.

Aber heißt es denn nicht, dass hinter jedem starken Mann eine starke Frau stehe? Für eine Frau der Stadt gilt das mit Sicherheit. Als dänische Prinzessin Anna (1532-1585) reist sie an und wird als 15jährige 1548 mit dem 21jährigen Wettiner August von Sachsen (1526-1586) verheiratet. Nachdem beide als Kurfürstenpaar 1553 die Herrschaft in Sachsen übernehmen, Dresden als Hauptresidenz fördern und recht erfolgreich regieren, gehen sie als „Vater August“ und „Mutter Anna“ in die Geschichte ein. Werden Kurfürst Augusts Leistungen im 16. Jahrhundert als Erstes Augusteisches Zeitalter gewürdigt, sind es im 20. Jahrhundert vor allem Historikerinnen, die allmählich das Wirken Kurfürstin Annas wiederentdecken.

Streng erzogen im evangelischen Glauben, unterrichtet in Handarbeiten, Spinnen, Kräuterkunde, Heilkunst und Kochen, kann die Kurfürstin lesen, schreiben und rechnen, kennt die höfischen Sitten und ist in der Lage, einem Hofhaushalt vorzustehen. Persönlich kümmert sie sich um die Versorgung des Hofstaates, bringt 15 Kinder zur Welt und überwacht Garten, Keller, Hausapotheke und Brennerei. Sie destilliert nach geheimer Rezeptur ein Aqua Vitae, das als Medikament dient.

Zu entdecken ist Anna am ersten Denkmal Dresdens, dem 1553 am Pirnaischen Tor errichteten Moritzmonument. Zu sehen sind das Brüderpaar Moritz und August bei der Übergabe des Kurschwertes. Seitlich hinter ihnen knien ihre Gemahlinnen: links Agnes von Hessen und rechts Anna von Dänemark. Heute ist es an der Nordostecke der Brühlschen Terasse zu finden, gleich an der hohen Terrassenmauer neben der Elbuferstraße.

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