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Buchtipp: Die Gartenmanie der Habsburger

 

Gartenmanie

Weit bekannt ist die Gartenleidenschaft des Sonnenkönigs, die noch heute bei einem Spaziergang durch Versailles nachempfunden werden kann. Vertraut sind Gärtner und Kunstfreunde mit der Persönlichkeit des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, der als der Schöpfer des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches unsterblich wurde. Wie intensiv sich die Habsburger mit gartenkünstlerischen Fragen beschäftigten, wie umfassend sich einige von ihnen botanische Kenntnisse aneigneten und wie genussvoll manchen Familienangehörigen ein Gartenspaziergang belebte und erfreute, kann der Leser des Bandes „Die Gartenmanie der Habsburger. Die kaiserliche Familie und ihre Gärten 1792-1848“ erfahren.

Die Autoren Christian Hlavac und Astrid Göttche, beide profunde Garten- und Landschaftshistoriker, porträtieren in ihrem lesenswerten Buch zwei Generationen von Habsburgern und nehmen die Leser mit auf eine lehrreiche Reise zu jenen Gärten an Schlössern, Gütern und Sommerdomizilen, die einst Schauplätze der kaiserlichen Gartenlust waren. So widmete sich Kaiser Franz II. (I.), dessen Leben und 43-jährige Regentschaft von großen politischen Umbrüchen geprägt war, mit leidenschaftlicher Pflanzenliebe und einem tiefgehenden naturwissenschaftlichen Interesse der Gestaltung und Pflege seiner zahlreichen Gartenanlagen in Wien und dem heutigen Niederösterreich. Mit Argusaugen habe er seine Blumen gehütet, sodass keiner gewagt hätte, auch nur eine Blüte abzuschneiden, wird überliefert. Mit dem Beinamen als „Blumenkaiser“ geehrt, investierte er viel Geld in die Gestaltung, Erneuerung und Erweiterung seiner Gärten und ließ seine Kinder in Pflanzenkunde unterweisen, wie die Erziehungspläne belegen. Wie einflussreich diese Unterweisungen waren, zeigen die hier präsentierten Beispiele der Tochter Erzherzogin Marie-Louise und des Sohnes und späteren Kaisers Ferdinand I.

Auch seine Brüder Karl, Johann und Anton beschäftigten sich kaum weniger begeistert mit Botanik, Gartenbau, Gartenkunst und „Landschaftsverschönerung“. Der in der österreichischen Geschichtsschreibung wenig bekannte Erzherzog Anton besaß nicht nur wie sein kaiserlicher Bruder eine Sommerresidenz in der Kurstadt Baden bei Wien, sondern engagierte sich für deren gartenkünstlerische Ausgestaltung, sodass er als „Verschönerer“ von Baden und dessen Umgebung gewürdigt wird.
Der als „Sieger von Aspern“ verehrte Erzherzog Karl, dessen Denkmal den Wiener Heldenplatz schmückt, beschäftigte sich nach seinem Rückzug ins Privatleben nicht nur als Militärschriftsteller, sondern ebenfalls mit der Botanik. Um sein Schloss Weilburg nahe Baden ließ er eine weitläufige Gartenanlage arrangieren, die sich leider nicht bis in unsere Tage erhalten hat und von der es wenige zeitgenössische Beschreibungen gibt. Dort baute Erzherzog Karl eine einzigartige Rosensammlung auf, die nach seinem Tod von seinem ältesten Sohn Albrecht fortgeführt wurde.
Der „steirische Prinz“ Erzherzog Johann, dessen Mythos auf der unstandesgemäßen Heirat mit der Postmeisterstochter Anna Plochl beruht, widmete sich vor allem der Landwirtschaft und dem Obstanbau. Viele der von ihm angekauften Güter verwandelte er in Musterlandwirtschaften, um der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung neue Praktiken vorzuführen und diese zur Nachahmung anzuregen.

Diese umfangreiche Darstellung basiert auf der gründlichen Recherche des fachkundigen Autorenteams, dessen gartenhistorische und darüber hinaus kulturwissenschaftliche Darstellung die Gartenleidenschaft der österreichischen Herrscherfamilie beleuchtet, die bisher noch viel zu wenig bekannt ist. Das Buch erscheint als Begleitband zur  Ausstellung “Die Gartenmanie der Habsburger” in Baden bei Wien. Mit den zahlreichen zeitgenössischen Gemälden, Drucken, Gartenplänen und vielen aktuellen Fotografien ist das Buch ein Augenschmaus, der zu einer Gartenreise, besser noch zum Besuch der Ausstellung, die noch bis zum 1. November 2016 im Kaiserhaus in Baden gezeigt wird, inspiriert.

DIE GARTENMANIE DER HABSBURGER
Die kaiserliche Familie und ihre Gärten
1792–1848
1. Auflage, mit zahlr. Abb., 160 Seiten
ISBN: 978-3-99050-037-8
Preis: 29.95 EUR

Herzlichen Dank an den Amalthea Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Veröffentlicht unter Allgemein, Auf Reisen | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

3 Antworten zu “Buchtipp: Die Gartenmanie der Habsburger”

  1. Robert Miller sagt:

    Sehr geehrte Frau Weber,
    Ich bin durch Zufall auf Ihren wunderschönen Blog gekommen. Ich leite einen Buchclub und habe dieses ( natürlich auch Ihre Werke) vorgestellt.

    Einer meiner Damen beginnt mit dem Lesen, ich werde sodann berichten.

    Es grüßt Frau Kerzenbach

  2. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Gruß Anna

  3. Theresia Freiding sagt:

    Gute Beschreibung ! Die Kaiserliche Gesellschaft war nicht nur Politisch angetan . Sondern auch Gärtnerisch sehr angerschiert.

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